Lichtkunstwerke mit Geschichte: Die LICHTROUTEN 2025 präsentieren noch bis zum 29. März neben zahlreichen Newcomern auch Klassiker der Lichtkunst. In der Städtischen Galerie wird ein Werk von Keith Sonnier zu sehen sein. Werke von Brigitte Kowanz und François Morellet werden bei der DIAL GmbH an der Bahnhofsallee ausgestellt. Alle Arbeiten wurden von der Sammlung Zumtobel für das Festival zur Verfügung gestellt.
Für Kuratorin Bettina Pelz haben diese Werke eine besondere Bedeutung. Brigitte Kowanz, François Morellet und auch Keith Sonnier haben auf ihre Weise besondere Spuren in der Historie der Lichtkunst hinterlassen.
Pionierin Brigitte Kowanz
Licht und Raum, Medien und Information waren zentrale Elemente der vielschichtigen Arbeit von Brigitte Kowanz (1957 – 2022). Sie war eine der bedeutendsten künstlerischen Pionierinnen ihrer Generation. Brigitte Kowanz nimmt in der jüngeren Kunstgeschichte eine unverwechselbare Position ein. Seit den 1980er-Jahren stand Licht als künstlerisches Medium im Zentrum ihrer Arbeit. Licht diente ihr als ein Mittel der Überschreitung und Präzisierung, um den konventionellen Bild- und Malereibegriff zu hinterfragen. Zugleich ließ sich so ein neues, integratives Verhältnis zwischen Werk, Raum und Betrachterinnen und Betrachtern definieren.
Lichtkunstwerke von Brigitte Kowanz wurden in über 500 Ausstellungen weltweit gezeigt, unter anderem auf der Biennale von Venedig: 2017 (Österreichischer Pavillon) und 1984 (Aperto). Dazu kamen weitere wichtige Biennale-Teilnahmen und institutionelle Ausstellungsbeteiligungen.
Sie wurde für ihre Arbeit mit dem Ehrenring der Universität für angewandte Kunst in Wien ausgezeichnet. Neben vielen weiteren Preisen erhielt sie 2018 den Deutschen Lichtkunstpreis.

Fragmente in indigener Sprache
Keith Sonnier (1941-2020) wird in einem Atemzug mit Bruce Nauman, James Turrell, Eva Hesse und Richard Serra genannt Er gehört zu einer Künstlergeneration, die in den 1960er-Jahren das gängige Verständnis von Skulptur radikal veränderte und den Weg für ein Genre ebnete, das heute Installationskunst heißt.
Zu den bekanntesten seiner Serien zählen die adaptiven Lichtlinien, die er in berühmte Fassaden einbaute: das Kunsthaus Bregenz, den Münchner Flughafen und die Neue Nationalgalerie in Berlin. Wie für seine Beleuchtung der Nationalgalerie in Berlin („Ba-O-Ba“) wählte Sonnier gerne Fragmente indigener Sprachen . Das war eine Rückkehr zu naturphilosophischen und spirituellen Praktiken, die seinen formal minimalistischen Kompositionen eine postminimalistische Romantik einhauchen.
Während seiner gesamten Karriere waren Sonniers ausgedehnte internationale Reisen eine stetige Inspirationsquelle für seine Kunst. In den lebendigen künstlerischen und kulturellen Traditionen Japans, Indiens, Indonesiens und Haitis sah Keith Sonnier starke Verbindungen zu seiner eigenen Erziehung in Süd-Louisiana. Hier prägen historische Verbindungen zu Europa, der Karibik, Afrika und Lateinamerika seit langem die facettenreiche kulturelle Identität der Region. Bei der DIAL GmbH ist seine Arbeit „Chacahoula“ zu sehen. Sie gehört in eine Reihe von Arbeiten, die sich auf Orte und Landschaften in Louisiana beziehen.
„Light Blue“ am Berliner Potsdamer Platz
François Morellet (1926-2016) war einer der wichtigsten Vertreter der Konkreten Kunst der Gegenwart. Er hat neben seinen freien Arbeiten auch Kunstinstallationen für zahlreiche Gebäude geschaffen – für den Louvre in Paris oder die französische Botschaft in Berlin. In Deutschland erfreut er sich großer Wertschätzung und konnte zahlreiche Skulpturen und Neoninstallationen realisieren. Beispielsweise in Berlin die Installation „Light Blue“ aus blauen Argonröhren im Atrium des Debis-Gebäudes am Potsdamer Platz oder die „Wandelbare Wand“ im Allianz-Forum am Potsdamer Platz.

Lichtkunstwerk im Deutschen Bundestag
In den Gebäuden des Deutschen Bundestages ist er mit einem raumgreifenden, gleich zwei Häuser bespielenden Kunstwerk vertreten, der Neoninstallation „Haute et basse tension“. Nähert man sich dem Paul-Löbe-Haus vom Bundeskanzleramt her, erkennt man hinter der durchgehenden Glasfassade bereits von außen die farbigen Neonlichtbänder. Das Licht in Röhren oder Bändern diente Morellet nicht nur als einfaches lineares Gestaltungsmittel, sondern im Laufe seines Schaffens auch zunehmend als ein Medium, das ausgehend von mathematischen Systemen die Gegebenheiten einer Raumarchitektur definiert, überformt oder scheinbar überwindet. In dieser Hinsicht ist sein Vorgehen mit der Arbeit von US-Amerikanern wie Keith Sonnier und Dan Flavin vergleichbar, die ungefähr zur gleichen Zeit damit begannen, Lichtkunstwerke zu schaffen und auf den architektonischen Kontext auszuweiten.