„No Kings“: Ein Schriftzug aus 450 brennenden Fackeln setzte in der Bergen über Davos beim Weltwirtschaftsforum ein klares Zeichen gegen jegliche Form von Alleinherrschaft. Ein nächtlicher Akt, geprägt von Hoffnung, Protest und Zivilcourage. Solche Interventionen interessieren Dr. Thomas Schielke.
Bei den Lichtrouten 2025 beteiligte er sich mit der Ausstellung „Proteste bei Nacht: Licht für Freiheit“. Dazu hatte er Dokumentationen von Kunstaktionen ausgewählt, die Licht als sozio-politisches Signal einsetzen. Die Ausstellung spiegelte den Mut von Künstlerinnen und Künstlern sowie Aktivistinnen und Aktivisten wider, Missstände zu thematisieren und eindringliche Formen des Protests zu entwickeln.
Am 6. Februar hielt er auf Einladung des Fördervereins der Ev. Gemeinde Oberrahmede einen Vortrag zum Thema „Hoffnung bei Nacht – Kunst, Freiheit und gesellschaftlicher Mut“. Der Abend in der Kirche kreiste reich bebildert um die Frage, wie Hoffnung, Freiheit und Mut in Zeiten gesellschaftlicher Krisen lebendig bleiben können. Ausgangspunkt war das Bild der „Nacht“ – als Metapher für persönliche, politische und globale Dunkelheiten wie Angst, Gewalt, Klimakrise, Ausgrenzung und Bedrohung demokratischer Werte.
Hoffnung als bewusstes Handeln gegen Dunkelheit
Anhand von Kunstwerken (u. a. Picassos Guernica, Caravaggios Berufung des Matthäus) und zeitgenössischen Kunst- und Protestaktionen zeigt Thomas Schielke, dass Hoffnung kein naiver Optimismus ist, sondern ein bewusstes Handeln gegen die Dunkelheit sei. Licht stehe dabei als Symbol für Hoffnung, Verantwortung und Solidarität: „Es beseitigt das Leid nicht sofort, widerspricht ihm aber und wird stärker, wenn es geteilt wird.“
Künstlerischer und ziviler Mut
Ein zentraler Teil des Vortrags widmet sich künstlerischem und zivilem Mut: Lichtprojektionen, Installationen, kreative Protestformen, KI-generierte Bilder und kollektive Aktionen weltweit (u. a. in den USA, Chile, Spanien, Iran, Davos) machen gesellschaftliche Missstände sichtbar, stellen Machtverhältnisse infrage und erinnern an bedrohte Freiheit und Menschenwürde. Kunst wird dabei als niedrigschwellige, gemeinsame und politische Praxis verstanden. Ganz aktuell auf die Entwicklungen in den USA bezogen stellte er eine Aktion des Künstlerkollektivs „Vjaybombs“ vor. Die Gruppe hatte am 11. September an einer Kreuzung in Los Angeles die Freiheitsstatue projiziert. Dabei versinkt die „Liberty“ im Wasser, ihre Fackel aber brennt weiter.

Foto: Wolfgang Teipel
In Anlehnung an ein Buch der deutschen Aktivistin Luisa Neubauer mit dem Titel „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ beschrieb Thomas Schielke fünf Qualitäten von Mut:
Ankommen bei sich selbst, Hinsehen, Losgehen, Standhalten und Geschichten erzählen. Mut werde, so Luisa Neubauer, nicht als heroische Einzeltat, sondern als Haltung begriffen, die im Alltag, im Miteinander und durch Werte wirksam werde. Weiter nahm Thomas Schielke Bezug auf die Autoren und Philosophen Maja Göpel, Daniel Schreiber, Hannah Arendt und Karl Popper. Bei ihnen werde deutlich: Werte wie Liebe, Solidarität, Verantwortung und Gemeinwohl seien der Kompass für gesellschaftliche Veränderung.
Poppers Toleranz-Paradoxon
Sie müssten aktiv gegen Intoleranz und Desinformation verteidigt werden. Dabei zitierte er das Toleranz-Paradoxon von Karl Popper. Es besagt, dass eine grenzenlose Toleranz am Ende zur Zerstörung der Toleranz selbst führt. „Wenn eine Gesellschaft auch intoleranten Kräften freie Bahn lässt, riskieren wir, dass diese Kräfte die Demokratie und Freiheit abschaffen“, stellt Karl Popper fest.

Foto: Wolfgang Teipel
Im anschließenden Gespräch mit dem SPD-Kommunalpolitiker Dominik Hass-Sommer und dem Pfarrer Michael Siol lenkte Thomas Schielke die Perspektive auf Lüdenscheid. Hass-Sommer und Siol betonen, dass Hoffnung vor allem aus realen Begegnungen, ehrenamtlichem Engagement, Gemeinschaft und gemeinsamen Werten entstehe und nicht aus sozialen Medien. Politik und Kirche könnten voneinander lernen: durch Zusammenhalt, Dialog, klare Haltung gegen Extremismus und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Dominik Hass-Sommer und Michael Siol forderten zum Mitmachen, zum konstruktiven Engagement für Stadt, Kultur, Demokratie und Jugendarbeit auf. Hoffnung bei Nacht sei möglich, so das Fazit, wenn viele bereit seien, selbst Licht zu tragen – leise, beharrlich und gemeinsam.
Titelfoto: Vjaybombs
