Erkundungstour bei frostigen Temperaturen: Mitglieder des Lichtroutenkollektiv haben das Festival EVILichtungen in Hildesheim besucht – und in der niedersächsischen Universitätsstadt gleich einen Favoriten für die Lichtrouten 2027 entdeckt. Die interdisziplinäre Lichtinstallation „Chor“ von Bahzad Sulaiman, die aus einer Sammlung entsorgter Haushaltsgeräte besteht, hätte gut zum nächsten Lüdenscheider Lichtfestival gepasst.Sie besteht aus ausrangierten Kühlschränken, Waschmaschinen, Geschirrspülern und Mikrowellen, die sich zu einer über sechs Meter hohen Skulptur auftürmen. Verschiedene Lichtquellen leuchten die Innenräume der Geräte aus, wobei sich ihre Lichtstimmung gegensätzlich zu ihrer Energie verhält. So leuchten Geräte, die in ihrer Funktion kalte Energie abgeben, in Licht mit warmem Farbton und Geräte, die warme Energie produzieren, in Licht mit kaltem Farbton. Dazu kommt eine Soundcollage aus den allzu vertrauten und alltäglichen Geräuschen der Maschinen. Aber: Zu früh gefreut. Leider tauchten zu viele Hindernisse auf. Der Chor der Haushaltsgeräte wird in Lüdenscheid nicht zu hören und zu sehen sein.
Niko Tiainen im „Wasserparadies
Die Freude an den Arbeiten der EVILichtungen und auch die frostigen Temperaturen trübte das nicht. Bei Eiseskälte standen die Ausflügler aus der Bergstadt vor dem „Wasserparadies“ an der Hannoversche Straße an. Endlich im Schwimmbad angekommen, konnten sie eine Arbeit des finnischen Lichtkünstlers Niko Tianinen bewundern. Für die Lichtrouten 2025 hatte er eine interaktive Lichtinstallation, die das Phänomen der Irideszenz erforscht, entwickelt. Zu sehen war sie im ehemaligen Wellenbad. Bei den EVILichtungen zog es ihn erneut in ein Bad. Im „Wasserparadies“ zeigte er „Translucens“, eine holographische Projektion auf einem Wasservorhang. Die Betrachterinnen und Betrachter wurden in den rhythmischen Fluss von Bewegung, Form und Klang hineingezogen und erlebten das Werk als eine meditative, fast tranceartige Reise. Zudem konnten sie sich im gut beheizten Bad für einige Minuten aufwärmen.
Am Hildesheimer Rathaus traf die Gruppe mit Ingo Wendt einen alten Bekannten. Der Lichtkünstler aus der Pfalz hatte bei den Lichtrouten 2018 das Publikum mit seiner Arbeit „Chronotop“ im Turmzimmer von St. Josef und Medardus begeistert. In Hildesheim projizierte er mit seinem „Seifenblasen-Projektor“ ständig wechselnde Seifenblasenmuster an die Außenfassade des Rathauses.
Bettina Pelz Mitbegründerin im Jahr 2015
Weitere 14 Künstlerinnen und Künstler, Schülerprojekte und ein Studentenprojekt unter Anleitung von Cornelia Moosman, Franziska Junge und Detlef Hartung verliehen den EVILichtungen einen besonderen Glanz.
Bettina Pelz, Kuratorin der Lüdenscheider Lichtrouten und im Jahr 2015 Gründungsmitglied der EVILichtungen, führte die Lüdenscheider Gruppe kenntnisreich durch die Festivalstationen.
Seit 2015 wird die Stadt Hildesheim jedes zweite Jahr für vier Tage und Nächte zur Bühne und Ausstellungsfläche zeitgenössischer Kunst, die als Medium und Material Licht nutzt. Im urbanen Lebensraum wird das kulturelle Erbe der Stadt mit aktuellen Themen in Beziehung gesetzt. Fassaden werden zu Leinwänden, versteckte und wenig beachtete Orte werden sichtbar. Die sechste Auflage des Festival orientierte sich an dem Thema „Resonanz – Licht Kunst Mensch Ort in Beziehung“.
Fotos: Thomas Meermann
