Mit LIGHT DIALOGUES präsentiert das Zentrum für Internationale Lichtkunst (ZFIL) in seinem 25. Jubiläumsjahr 2026 eine Ausstellung, die sich konsequent dem zentralen Medium des Hauses widmet: dem Licht selbst. Sie ist vom 13. Juni bis zum 10. Januar 2027 zu sehen. Im Fokus stehen dabei die gestalterischen und technischen Mittel, mit denen Künstlerinnen und Künstler Licht einsetzen, um Wirkung, Atmosphäre und Bedeutung zu erzeugen. In Kooperation mit dem SCHAUWERK Sindelfingen versammelt sie Werke von John M. Armleder (CH), Martin Creed (GB), Tracey Emin (GB), Dan Flavin (US), Jeppe Hein (DK), Lori Hersberger (CH), Astrid Klein (DE), Brigitte Kowanz (AT), François Morellet (FR), Maurizio Nannucci (IT) und Keith Sonnier (US) und bringt sie in einen vielschichtigen Dialog.
Rund 20 ikonische Arbeiten treten im ZFIL in Beziehung zueinander und machen unterschiedliche künstlerische Strategien im Umgang mit Licht sichtbar. Historische Schlüsselwerke begegnen zeitgenössischen Positionen und eröffnen neue Blickwinkel auf ein Medium, das gleichermaßen technisch geprägt wie sinnlich erfahrbar ist. In drei thematischen Schwerpunkten zeigt die Ausstellung, wie Licht Form und Raum modelliert, wie farbiges Licht Wahrnehmung und Stimmung beeinflusst und wie leuchtende Schrift Bedeutung generiert. So entsteht ein komplexes Geflecht aus formalen, technischen und inhaltlichen Bezügen.

Form, Farbe und Zeichen
Die Ausstellung gliedert sich in drei Themenräume, die grundlegende künstlerische Strategien im Umgang mit Licht untersuchen: Form, Farbe und Zeichen. Der Bereich Form konzentriert sich auf Licht als strukturierendes Element. Die Werke betonen mit der Reduktion auf ausschließlich weißes Licht die formale Erscheinung und lenken die Wahrnehmung auf Linienführung, Geometrie und räumliche Beziehungen. Ohne die Ablenkung durch Farbreize treten Rhythmus, Kontur und architektonische Bezüge in den Vordergrund. Die Lichtskulptur „Changing Neon Sculpture“ von Jeppe Hein erinnert z. B. trotz fehlender typischer Farben an Rubiks Zauberwürfel. Die Arbeit besteht aus 27 Neon Würfeln, die in einer Gitterstruktur zusammengefügt einen größeren Würfel bilden, der sich in stetiger Veränderung befindet und in seiner Erscheinung auf die Besuchenden reagiert.

Im Raum Farbe herrscht Vielfarbigkeit: Ein breites chromatisches Spektrum entfaltet sich, in dem Künstlerinnen und Künstler die Farbe des Lichts gezielt einsetzen, um Kontraste, Übergänge und Harmonien zu erzeugen. Durch den bewussten Umgang mit Licht und Farbe schaffen sie Stimmungen, wecken Emotionen und lenken die Wahrnehmung der Betrachtenden. Die intensiv farbigen Arbeiten von Dan Flavin z.B. lassen die Betrachtenden durch ihre Lichtwirkung selbst zum Teil des Werks werden. Sie setzen Raum und Objekte zueinander in Beziehung und lösen die Farbe aus der Zweidimensionalität der Malerei. Der Amerikaner ist erstmals mit gleich drei Positionen im ZFIL zu sehen.
Großformatige Neonarbeiten von Maurizio Nannucci
Im größten Ausstellungsraum verdichten sich sprachliche Zeichen und visuelle Ebenen. Die großformatigen Neonarbeiten von Maurizio Nannucci strukturieren den Raum zwischen den sieben Meter hohen Pfeilern als Abfolge von Aussagen und Gegenbehauptungen. Fünf unterschiedlich farbige Statements wie WHAT TO SEE WHAT NOT TO SEE oder WHAT TO LOVE WHAT NOT TO LOVE mit jeweils über drei Metern Höhe fügen sich in den monumentalen Raum und eröffnen ein Spannungsfeld zwischen Entscheidung und Ambivalenz. Licht fungiert hier als Medium, das Bedeutung nicht festschreibt, sondern in Bewegung hält.
Titelbild: Martin Creed DON’T WORRY (Work No. 291), 2003,Gasentladungslampen (Neon), Stromkabel, Transformatoren, Schauwerl Sindelfinden © VG-Bild Kunst, Bonn 2026, Foto: Frank Kleinbach
